22.09.14
text #2
ihr arm ist ein schlachtfeld. eine schnitt, eine narbe neben der
anderen. keine stelle narbenlos. doch das realisiert sie nicht. fuer sie
ist ihr arm markellos, wie jeder andere. nichts besonderes, nichts schlimmes, nichts erstzunehmendes. egal wie oft sie sich schneidet, fuer sie
aendert sich nichts. es werden nie genug schnitte sein, nie genug narben. nicht fuer sie,
nicht fuer den daemon, fuer niemanden. oh ihr geht es so schlecht, aber
niemand merkt etwas, niemand ahnt etwas. alle verschließen die augen, wollen depressionen nicht wahr haben. so etwas will die gesellschaft nicht sehen, nichtmal ihre freunde und verwandten. alle erwarten so viel, zu viel. sei so und nicht anders, tu dies, aber genau so, sei gewoehnlich, durchschnittlich, arbeite, tu alles fuer den erfolg, aber denk bloß nicht an dich selbst. angst nicht gut genug zu sein, angst zu versagen, angst die erwartungen aller anderen nicht zu erfüllen. druck, druck, druck. ihr atem wird hastig, ihr herz rast schnell.
setz sie die klingen an den arm und zieht durch. blut stroemt herraus
und ihr atem wird ruhiger. dieses gefuehl bringt sie immer wieder runter. noch einmal setzt sie die klinge an. ihr herzschlag verlangsamt sich wieder, das warme blut fließt ueber ihren arm, tropfen auf dem boden. der druck hat sich fuer einen moment geloest. viel zu lange hat sie sich dieses gefuehl nicht mehr gegoennt. sie hatte doch tatsaechlich geglaubt alles wuerde besser. wollte ihre vergangenheit hinter sich lassen und neu anfangen. hat gedacht es waere so einfach, aber dieses maedchen wird niemals gluecklich sein, diese schlampe hat es nicht verdient. der daemon in ihr verbietet es. sie hatte geglaubt sie wuerde geliebt, doch niemals wird jemand dieses maedchen lieben koennen. es ist einfach nicht moeglich. niemand kann seine gefuehle an eine widerwaertige hure verschwenden, es geht nicht. langsam faehrt sie mit ihren fingerspitzen über die alten narben. sie bewundert sie, denn fuer sie ist all dies ein kunstwerk, ein kunstwerk welches nie vollendet sein wird. es ist doch nichtmal richtig angefangen. sie taetigt noch ein paar zuege, um ihr gemaelde zu erweitern, dann reicht es ihr. der daemon ist für einen moment zufrieden. lange wird es nicht dauert, bis ihre boese seite wieder nach mehr schreit. wieder und wieder. widerlich.
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